Eine radikalere Art Philosophie zu betreiben

Die Studenten erwarten heute wieder eine radikalere Art, Philosophie zu betreiben von denen, in deren Vorlesungen sie gehen. Philosophen müssten aufs Ganze gehen, diese Erwartung hegen bildungshungrige Studenten an den Universitäten wieder, nachdem die Finanzkrise wieder etwas verblasst zu sein scheint. Das System müsse wieder auf den Begriff Kapitalismus zurück geführt werden. Philosophen seien hleider zu Fachidioten und Denkbürokraten verkümmert. Es sei höchste Zeit, wieder etwas neuen Wind hinein zu bringen.
Der italienische Philosoph Giorgio Agamben betrachtet die Gesellschaft als Gesamtkatastrophe. Er hat eine dunkle Lebensphilosophie entwickelt. Seine Zeitkritik ist aber noch düsterer. Das liberale Individuum vereinsame zusehends. Der derzeitige Kapitalismus führe zur Zerstörung der Gemeinschaft und sei es wert, dass er überwunden werde. Als wichtigen Zeugen für die Gesellschaftskritik wird aber wieder Martin Heideggers Theorie benutzt, der von den wilden Autoren emsig zitiert wird.
Vermutlich ist Heidegger. der eigentlich sehr zurückgezogen im Schwarzwald lebte, ein besonders Radikaler, weil er sowohl rechts und als auch links radikal sei. Nach seinen Vorstellungen sähe eine neue Klassengesellschaft so aus, dass der Staat ein System der Ungleichheit reproduziere, in dem “Leistungsträger” keine Steuern mehr zu zahlen hätten, während Abgehängten ein paar spärliche Almosen übergeworfenen würden. Der Kapitalismus ist eine Gesellschaft trostloser Raserei, in der alles bis zuletzt ausgebeutet wird. Man liest darin irgendwie das Pathos der Weltverdüsterung, wie sie im Kommunistischen Manifest beschrieben wird.

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