Mozarts Klaviermusik

Der Südafrikanische Pianist Kristian Bezuidenhout nimmt Mozarts Klaviermusik sehr ernst, und zwar so sehr, wie wenige große Pianisten vor ihm.
Noch immer werden Mozarts Sonaten gern als Übungsstücke, wenn auch etwas bessere, für den Klavierunterricht missverstanden. Obwohl so ein bedeutender Mozart-Kenner wie der geniale Nobelpreis Träger Alfred Einstein schon vor vielen Jahren mit Nachdruck darauf hinwies, welch ein dramatisches Potenzial sich in ihnen verbirgt.
So hörte Einstein in der c-Moll-Sonate KV 457 zum Beispiel den »Ausbruch stärkster Erregung«. Er bewunderte die, wie er sagte »unheimlichen Wirkungen« sowie die »explosive Gedrängtheit« der markantesten Ecksätze.
Was Einstein damals meinte, kann man nun in der zweiten Folge von Kristian Bezuidenhouts Gesamtaufnahme der Klaviermusik von Mozart hören. So haut er den Hörern das finale Allegro assai der Sonate in C-Moll in wilden Kontrasten geradezu um die Ohren. Und selten wie nie waren das Trostlose des a-Moll-Rondos KV 511, das Dunkle und Geheimnisvolle des b-Moll-Adagios KV 540 so unvermittelt zu erleben wie bei Bezuidenhout. Obwohl dieser die beiden abgrundtiefen Werke fast lakonisch unromantisch einspielt.
Kristian Bezuidenhout räumt auf mit dem Vorurteil, das bisher als Grundsatz galt: Mozart ist von vornherein anders als Beethoven zu spielen. Dabei hilft ihm Paul McNultys exzellenter Nachbau des Wiener Anton-Walter-Flügels aus dem Jahre 1802. Inzwischen sollte es auch dem Letzten klar werden, dass auch ein Fortschritt in der Klaviertechnik wie jeder andere Fortschritt mit einem Verlust erkauft wurde. Was an Klangvolumen gewonnen wurde, führte zur Nivellierung einer wunderbaren Vielfältigkeit der Klangfarben, Kontraste und Schattierungen, die gute alte sogenannte Hammerflügel überreichlich zu bieten haben.

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